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Ausschreibung Verschlüsselung (2026): Anforderungskatalog und Checkliste für kundenkontrollierte Schlüssel

Ausschreibung Verschlüsselung und Anforderungskatalog: Muster-RFP für kundenkontrollierte Schlüssel mit Bewertungsmodell, Anbieterfragen, PoC und Exit-Klauseln.

DuoKey Team··21 Min. Lesezeit

Diese Vorlage für eine Ausschreibung Verschlüsselung ist ein herstellerneutraler Anforderungskatalog (Verschlüsselung) für den Schutz ruhender Daten in Cloud, SaaS und Datenbanken mit Schlüsseln, die Sie selbst kontrollieren. Sie umfasst elf Anforderungsgruppen (Umfang, Verschlüsselungsmodelle, Schlüsselkontrolle und Souveränität, Plattformintegrationen, Verfügbarkeit, Kryptografie, Zugriffsrichtlinien, Audit, regulatorische Zuordnung, Betrieb und Exit, Anbieter und Support), ein gewichtetes Bewertungsmodell, 20 Anbieterfragen, Warnsignale, einen PoC-Plan und Vertragsklauseln. Alle Tabellen lassen sich in eine Tabellenkalkulation kopieren.


Inhaltsverzeichnis

  1. Für wen und wie Sie die Vorlage nutzen
  2. Bevor Sie die Ausschreibung schreiben
  3. Anforderungskatalog
  4. Gewichtetes Bewertungsmodell
  5. 20 Fragen an die Anbieter
  6. Warnsignale in Anbieterantworten
  7. Proof-of-Concept-Plan
  8. Vertrags- und Exit-Klauseln
  9. Einleitungstext zum Kopieren
  10. FAQ
  11. Fazit
  12. Quellen

Für wen und wie Sie die Vorlage nutzen

Die Vorlage richtet sich an Sicherheitsarchitekten, CISOs, Datenschutzbeauftragte, Einkauf und Verantwortliche für Cloud-Plattformen, die eine Lösung zur Verschlüsselung von Unternehmensdaten beschaffen oder neu ausschreiben müssen, bei der der Kunde und nicht der Cloud- oder SaaS-Anbieter die Schlüssel kontrolliert. Sie gilt unabhängig davon, ob das Ergebnis BYOK, HYOK, externes Schlüsselmanagement (EKM), Double Key Encryption (DKE), clientseitige Verschlüsselung, Tokenisierung oder Feldverschlüsselung heisst.

So gehen Sie vor:

  1. Kopieren Sie den Einleitungstext am Ende in Ihre Ausschreibung und passen Sie den Umfang an.
  2. Fügen Sie die Anforderungstabellen in eine Tabellenkalkulation ein. Behalten Sie die ID-Spalte: Sie ermöglicht Bewertung und Nachweisverfolgung.
  3. Streichen Sie nicht relevante Anforderungen (zum Beispiel Salesforce, wenn Sie es nicht nutzen) und passen Sie die Gewichtung an.
  4. Verlangen Sie Nachweise statt Behauptungen. Jede Zeile nennt den Nachweis.

Prioritäten: Muss (Ausschlusskriterium), Soll (wird bewertet, eine Lücke ist mit Plan akzeptabel) und Erweitert (differenzierende Fähigkeiten, die manche Produkte bieten und die Sie nur verpflichtend machen sollten, wenn Ihr Risikomodell es verlangt).

Diese Seite ist eine Beschaffungshilfe und keine Rechtsberatung. Lassen Sie die regulatorischen Bezüge von Ihrer Rechtsabteilung prüfen.


Bevor Sie die Ausschreibung schreiben

Die meisten Verschlüsselungsprojekte scheitern vor der Ausschreibung, nämlich am Umfang. Klären Sie fünf Punkte zuerst.

1. Daten inventarisieren und klassifizieren. Listen Sie die Plattformen mit regulierten oder vertraulichen Daten auf: Microsoft 365 (Exchange, SharePoint, OneDrive, Teams), Salesforce, ServiceNow, AWS-Speicher und -Datenbanken, Azure, SQL Server, Oracle, Snowflake, Databricks und KI-Dienste wie OpenAI. Ordnen Sie jeder eine Klassifizierung zu und notieren Sie Volumen und Residenzvorgaben.

2. Bedrohung festlegen.

Bedrohung oder ZielWas erforderlich ist
Mitarbeitende des Cloud-Anbieters oder Einbruch beim AnbieterVom Kunden gehaltene Schlüssel, die der Anbieter ohne Ihren Schlüsseldienst nicht nutzen kann
Ausländische behördliche Anfrage an den AnbieterSchlüssel unter Ihrer Rechtshoheit, Anbieter kann nicht allein entschlüsseln
Aufsicht oder Revision fragt, wer entschlüsseln kannVon Ihnen kontrollierter Audit-Trail der Schlüsselnutzung
Insider oder kompromittiertes Admin-Konto im eigenen TenantRichtlinien zur Schlüsselnutzung, Funktionstrennung, Quorum-Freigaben
Verlust oder Diebstahl von DatenträgernStandardmässige Verschlüsselung ruhender Daten genügt

3. Modell pro Workload festlegen. Ein einziges Modell passt selten zu allen Plattformen. Siehe Hold Your Own Key (HYOK) und BYOK erklärt.

4. Stakeholder benennen. Sicherheitsarchitektur, Plattformverantwortliche, Applikationsverantwortliche, Datenschutz oder Recht, Betrieb/SRE (sie betreiben den Schlüsseldienst), Einkauf und Interne Revision.

5. Kriterien und Gewichte festlegen, bevor Sie eine Antwort lesen.


Anforderungskatalog

Jede Gruppe ist eine Tabelle mit ID, Anforderung, Priorität und Nachweis. Die Anforderungen sind so formuliert, dass ein ernstzunehmendes Produkt der Kategorie sie erfüllen und belegen kann.

Gruppe 1. Umfang und Datenklassifizierung

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
SC-1Die Lösung unterstützt die Plattformen aus Anhang A (Ihr Inventar) und nennt je Plattform das eingesetzte VerschlüsselungsmodellMussUnterstützungsmatrix mit Links zur Dokumentation
SC-2Der Schutz kann nach Klassifizierung angewendet werden (regulierte Daten mit eigenem Schlüssel)SollDemo mit Schlüsseln je Klassifizierung
SC-3Die Übertragung zwischen Plattform und Schlüsseldienst ist mit TLS 1.2 oder höher geschütztMussArchitekturdiagramm, TLS-Konfiguration
SC-4Der Anbieter nennt, was nicht abgedeckt ist (Metadaten, Suchindizes, Logs, Backups, Caches)MussSchriftliche Abgrenzung je Plattform
SC-5Behandlung neuer und bestehender Daten, einschliesslich Neuverschlüsselung des Bestands, ist beschriebenSollMigrationsverfahren, Durchsatzwerte aus einer Referenz

Gruppe 2. Verschlüsselungsmodelle

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
EM-1Jede Plattform ist ihrem Modell zugeordnet: Anbieterschlüssel, kundenverwaltet (BYOK), externer Schlüssel (HYOK/EKM) oder clientseitigMussMatrix der Modelle je Plattform
EM-2Bei externen Schlüsseln erklärt der Anbieter, wo die kryptografische Operation stattfindet (beim Provider mit umhülltem Schlüssel oder in Ihrem Schlüsseldienst)MussDatenflussdiagramm einer Ver- und Entschlüsselung
EM-3Bietet die Plattform Double Key Encryption, sind zum Entschlüsseln beide Schlüssel nötig (zum Beispiel DKE in Microsoft 365)SollDokumentation und Test, der ohne einen der Schlüssel scheitert
EM-4Clientseitige oder anwendungsnahe Verschlüsselung (SDK oder Proxy) für Plattformen ohne native Unterstützung externer SchlüsselSollSDK-Dokumentation, unterstützte Sprachen
EM-5Tokenisierung oder Feldverschlüsselung für strukturierte Daten, bei Bedarf formatwahrendSollDokumentation, Beispielschema
EM-6Integration der transparenten Datenbankverschlüsselung (TDE) mit einem externen Schlüsselmanager für die Datenbanken im UmfangMuss (falls Datenbanken betroffen)Liste unterstützter Versionen, Installationsanleitung
EM-7Kann eine Plattform keine kundengehaltenen Schlüssel nutzen, sagt der Anbieter das ausdrücklich, statt ein schwächeres Modell unter demselben Namen zu verkaufenMussSchriftliche Liste der Einschränkungen

Gruppe 3. Schlüsselkontrolle und Souveränität

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
KC-1Schlüssel werden in einem Schlüsselmanager unter Kontrolle des Kunden erzeugt und gespeichert (eigenes Rechenzentrum, dedizierter Mandant oder benannte Jurisdiktion)MussBetriebsoptionen, Hosting-Standorte
KC-2Der Anbieter nennt, welche Parteien (Personal, Hoster, Cloud-Anbieter) auf Schlüsselmaterial zugreifen oder Operationen auslösen können, und unter welchen BedingungenMussSchriftliche Erklärung, Beschreibung der Zugriffskontrollen
KC-3Der Kunde kann den Zugriff der Plattform einseitig entziehen; die Wirkung auf die Daten ist dokumentiert (einschliesslich gecachter Schlüssel)MussWiderrufstest, Cache-Laufzeiten
KC-4Schlüsselmaterial verlässt den Schlüsselmanager nie im KlartextMussArchitekturbeschreibung, HSM-Zertifizierung oder Gleichwertiges
KC-5Die Rechtshoheit von Anbieter und schlüsselhaltender Einheit ist angegeben, samt Exposition gegenüber ausländischen RechtsersuchenMussGesellschaftsstruktur, Auszug aus dem Hosting-Vertrag
KC-6Wurzelschlüssel können durch ein HSM nach FIPS 140-3 (oder FIPS 140-2, solange gültig) oder gleichwertige Sicherheitsstufe gesichert werdenSollZertifikatsnummern
KC-7Erzeugen, Rotieren, Deaktivieren, Vernichten und Importieren von Schlüsseln mit dokumentierten Lebenszyklus-ZuständenMussLebenszyklus-Dokumentation
KC-8Schlüsselteilung oder Mehrparteien-Kontrolle, sodass kein einzelner Administrator und keine einzelne Maschine einen vollständigen Schlüssel hältErweitertArchitekturpapier, Quorum-Demo

Gruppe 4. Plattformintegrationen

Behalten Sie nur die benötigten Zeilen. «Unterstützt» heisst dokumentiert, gegen aktuelle Plattformversionen getestet und vom Anbieter unterstützt, nicht «mit Eigenentwicklung möglich».

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
PI-1Microsoft 365: Double Key Encryption für klassifizierte Inhalte und/oder Customer Key für die DienstverschlüsselungSollEinrichtungsanleitung, unterstützte Workloads, bekannte Einschränkungen
PI-2Salesforce: Shield Platform Encryption mit externem SchlüsseldienstSollUnterstützte Schlüsselmodi, Anleitung
PI-3ServiceNow: Integration kundenkontrollierter SchlüsselSollUnterstützte Editionen, Anleitung
PI-4AWS: External Key Store (XKS) oder KMS-integriertes Schlüsselmanagement für S3, EBS, RDS und ähnliche DiensteSollKompatibilität des XKS-Proxys, Liste getesteter Dienste
PI-5Azure: Key Vault, Managed HSM oder externe Schlüssel für Speicher und DatenbankenSollIntegrationsdokument
PI-6SQL-Server- und Oracle-TDE über externen Schlüsselmanager (EKM / PKCS#11)SollVersionen, Performance-Werte
PI-7Snowflake: kundengehaltener Schlüssel im Rahmen von Tri-Secret SecureSollAnleitung
PI-8Databricks und weitere Datenplattformen: kundenverwaltete Schlüssel für Speicher und WorkspacesSollAnleitung
PI-9KI-Dienste (zum Beispiel das Enterprise-Schlüsselmanagement von OpenAI): Registrierung eines kundengehaltenen SchlüsselsSollDokumentation, Position des Schlüsseldienstes im Datenpfad
PI-10Standardschnittstellen für Sonderfälle: KMIP, PKCS#11, REST-APISollSchnittstellendokumentation
PI-11Eine Integration erfordert nicht, dass der Anbieter fachliche Klartextdaten erhält, sofern nicht ausdrücklich angegebenMussDatenflussdiagramm

Gruppe 5. Performance und Verfügbarkeit

Ein externer Schlüsseldienst legt Ihren Schlüsselmanager auf den kritischen Pfad Ihrer Cloud-Daten. Diese Gruppe wird am häufigsten zu knapp spezifiziert.

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
PA-1Der Anbieter dokumentiert je Plattform das Verhalten bei nicht erreichbarem Schlüsseldienst: fail-closed (Daten unzugänglich) oder fail-open/CacheMussVerhaltenstabelle, Ergebnisse von Ausfalltests
PA-2Die zusätzliche Latenz je Schlüsseloperation ist pro Plattform angegeben, samt plattformeigenen TimeoutsMussBenchmark, Verweis auf Plattformdokumentation
PA-3Ein hochverfügbarer Betrieb (aktiv-aktiv oder aktiv-passiv über unabhängige Knoten oder Zonen) ist unterstützt und dokumentiertMussHA-Architektur, Failover-Test
PA-4Verfügbarkeitsziel (SLA) des Managed Service oder Dimensionierungsempfehlung für EigenbetriebMussSLA, Runbook
PA-5Kapazität: dauerhaft getestete Operationen pro Sekunde bei Ihrer erwarteten Spitze, mit ReserveSollLasttestbericht
PA-6Disaster Recovery des Schlüsseldienstes selbst (Backup, Restore, regionale Wiederherstellung) mit RPO und RTOMussDR-Plan, Datum des letzten Tests
PA-7Wartung und Updates unterbrechen Schlüsseloperationen nichtSollUpdate-Verfahren
PA-8Dokumentiertes Notfallverfahren (Break-Glass) mit eigenem Audit-Trail und FreigabeSollVerfahrensdokument

Gruppe 6. Kryptografie und Post-Quanten-Bereitschaft

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
CR-1AES-256 für Datenschlüssel; RSA (3072 Bit oder mehr) oder elliptische Kurven für das Umhüllen von Schlüsseln, soweit die Plattform es verlangtMussAlgorithmenliste
CR-2Algorithmen und Parameter folgen aktuellen nationalen Vorgaben (NIST SP 800-57 und Entsprechendes, BSI TR-02102)SollKonformitätserklärung
CR-3Schlüsselrotation ohne Dienstunterbruch, automatisch und auf AbrufMussDemo
CR-4Post-Quanten-Roadmap: Unterstützung von ML-KEM (FIPS 203), ML-DSA (FIPS 204) und SLH-DSA (FIPS 205), mit TerminenSollRoadmap, Status je Algorithmus
CR-5Krypto-Agilität: Algorithmen lassen sich per Konfiguration wechseln, nicht durch NeuarchitekturSollDesignbeschreibung
CR-6Zufallszahlen aus einer validierten QuelleMussDokumentation, Zertifikat
CR-7Option für hybriden (klassisch plus post-quantum) Schlüsselaustausch, wo die Plattform es erlaubtErweitertProduktdokumentation

Gruppe 7. Zugriffsrichtlinien

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
AP-1Rollenbasierte Zugriffskontrolle für die Schlüsseladministration, getrennt von der SchlüsselnutzungMussRollenmodell
AP-2Richtlinien je Schlüssel legen fest, welche Anwendung, Identität, welcher Mandant oder Dienst ihn nutzen darfMussRichtlinienbeispiele
AP-3Starke Authentifizierung für Administratoren (MFA, SSO mit Ihrem Identity Provider)MussAuthentifizierungsoptionen
AP-4Bedingte Richtlinien für die Nutzung (Zeit, Netz, Identitätsattribute, Rate)SollReferenz der Richtliniensprache
AP-5Funktionstrennung: Wer einen Schlüssel erzeugt, kann seine Vernichtung nicht allein freigebenSollWorkflow-Demo
AP-6Freigabequorum (M-von-N) für sensible AdministrationsaktionenErweitertQuorum-Konfiguration
AP-7Richtlinienänderungen sind versioniert und nachvollziehbarSollBeispiel einer Änderungshistorie

Gruppe 8. Audit und Monitoring

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
AU-1Jede Schlüsseloperation (Nutzung, Administration, Richtlinienänderung, fehlgeschlagener Versuch) wird mit Identität, Zeit, Schlüssel und Ergebnis protokolliertMussLog-Schema und Beispiel
AU-2Logs sind über Standardformate oder APIs nahezu in Echtzeit in Ihr SIEM exportierbarMussIntegrationsdokumentation
AU-3Logs sind gegen Veränderung geschützt; Aufbewahrung ist konfigurierbarMussBeschreibung des Schutzes
AU-4Alarme bei auffälliger Nutzung (Spitzen, ungewöhnliche Quelle, wiederholte Ablehnungen)SollAlarmregeln
AU-5Verhalten ist definiert, falls ein Audit-Eintrag nicht geschrieben werden kann (Operation ablehnen oder fortfahren) und vom Kunden konfigurierbarSollDokumentation des Audit-Fehlermodus
AU-6Manipulationssicheres Audit (Hash-Verkettung oder signierte Einträge), das ein Prüfer unabhängig verifizieren kannErweitertVerifikationsverfahren
AU-7Berichte für Prüfer, die Schlüsselkontrollen auf Ihre Rahmenwerke abbildenSollBeispielbericht

Gruppe 9. Regulatorische Zuordnung

Lassen Sie den Anbieter seine Fähigkeiten in eigenen Worten den für Sie geltenden Regeln zuordnen. Akzeptieren Sie keine blosse Logoliste. Die Bezüge sind generische Ankerpunkte, keine Konformitätsbehauptung.

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
RG-1DSGVO: Unterstützung technischer Massnahmen nach Art. 32 (Verschlüsselung, Belastbarkeit) und der Verantwortlichkeiten nach Art. 28; dokumentierter Umgang mit DrittlandtransfersMuss (EU/EWR-Daten)Auftragsverarbeitungsvertrag, Transferanalyse
RG-2Schweizer DSG: Unterstützung der Datensicherheitspflichten und der Regeln zur Bekanntgabe ins AuslandMuss (Schweizer Daten)Zuordnungsdokument
RG-3DORA: Unterstützung des IKT-Risikomanagements, einschliesslich kryptografischer Kontrollen und Schlüsselmanagement (Art. 9), und der Anforderungen an IKT-DrittdienstleisterMuss (EU-Finanzunternehmen)Zuordnungsdokument, Vertragsbestimmungen
RG-4NIS2: Unterstützung der geforderten Konzepte für Kryptografie und Verschlüsselung als Risikomanagementmassnahme (Art. 21)Muss (betroffene Einrichtungen)Zuordnungsdokument
RG-5FINMA: Unterstützung der Erwartungen an Auslagerung, operationelle Resilienz und Datenschutz für beaufsichtigte Institute (Rundschreiben 2023/1)Muss (beaufsichtigte Schweizer Institute)Zuordnungsdokument
RG-6HIPAA: Unterstützung der technischen Schutzmassnahmen der Security Rule, einschliesslich Verschlüsselung von ePHI, und Bereitschaft zum Business Associate Agreement, wo erforderlichMuss (US-Gesundheitsdaten)BAA-Vorlage, Zuordnung
RG-7Unabhängige Zusicherung zum Anbieter (ISO/IEC-27001-Zertifikat, SOC-2-Bericht oder gleichwertig), deren Geltungsbereich den Schlüsseldienst umfasstMussZertifikat und Scope
RG-8Der Anbieter akzeptiert Prüf- und Inspektionsrechte von Aufsicht und KundeSollVertragsklausel

Gruppe 10. Betrieb und Exit/Portabilität

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
DX-1Betriebsoptionen: SaaS, dedizierter Mandant, selbst betrieben/on-premises oder hybrid, mit den jeweiligen VerantwortlichkeitenMussBetriebshandbuch
DX-2Einführungsdauer für eine erste Plattform mit realistischem PlanSollProjektplan eines Referenzkunden
DX-3Infrastructure as Code oder API-Automatisierung für Schlüssel und RichtlinienSollAPI-/Terraform-Dokumentation
DX-4Exit: Schlüssel lassen sich in einem dokumentierten Verfahren exportieren oder in einen anderen Schlüsselmanager umhüllen, oder Daten werden unter neuen Schlüsseln neu verschlüsseltMussExit-Verfahren
DX-5Der Exit macht Daten nicht unlesbar: Der Anbieter beschreibt Schritte und Dauer je PlattformMussExit-Plan
DX-6Offene Schnittstellen (KMIP, PKCS#11, dokumentierte REST-API) senken den Lock-inSollSchnittstellenliste
DX-7Schlüssel- und Richtliniendaten sind in einem dokumentierten Format exportierbarSollExportbeispiel

Gruppe 11. Anbieter und Support

IDAnforderungPrioritätAnzufordernder Nachweis
VS-1Supportzeiten und Reaktionszeiten nach Schweregrad, in Ihren Zeitzonen und SprachenMussSupport-Richtlinie
VS-2Benannter technischer Ansprechpartner oder Customer Success für das ProjektSollVertrag
VS-3Richtlinie zu Schwachstellenmeldung und Patches mit FristenMussRichtlinie
VS-4Produkt-Roadmap für Ihre Plattformen, bei Bedarf unter NDASollRoadmap
VS-5Referenzkunden aus Ihrer Branche und Grössenordnung, kontaktierbarSollReferenzliste
VS-6Finanzielle und betriebliche Stabilität, Unterauftragnehmerliste und Meldung von ÄnderungenSollUnternehmensinformationen
VS-7Schulung und Dokumentation für AdministratorenSollDokumentationsset

Gewichtetes Bewertungsmodell

Die Gewichte sollten Ihr Risikomodell abbilden. Die Tabelle ist ein Beispiel mit frei erfundenen, generischen Zahlen.

KategorieBeispielgewicht
Schlüsselkontrolle und Souveränität (Gruppe 3)20 %
Verschlüsselungsmodelle und Integrationen (Gruppen 2 und 4)20 %
Performance und Verfügbarkeit (Gruppe 5)15 %
Audit und Zugriffsrichtlinien (Gruppen 7 und 8)10 %
Kryptografie und PQC-Bereitschaft (Gruppe 6)5 %
Regulatorische Zuordnung (Gruppe 9)10 %
Betrieb und Exit (Gruppe 10)10 %
Anbieter, Support und Preis (Gruppe 11)10 %
Summe100 %

Skala von 0 bis 5 je Anforderung:

PunkteBedeutung
0Nicht angeboten oder keine Antwort
1Geplant, aber nicht verfügbar
2Verfügbar mit erheblichem Eigenaufwand oder Lücken
3Verfügbar und dokumentiert, teilweise Abdeckung
4Verfügbar, dokumentiert, in Demo oder PoC belegt
5Erfüllt vollständig und darüber hinaus, durch Referenzkunden belegt

Wenden Sie zuerst ein Ausschlusskriterium an: Jede Muss-Anforderung mit 0 oder 1 schliesst aus oder verlangt vor der Shortlist eine schriftliche Nachbesserung.

Rechenbeispiel (rein illustrative Zahlen). Anbieter A erreicht im Schnitt 4,0 bei Schlüsselkontrolle, 3,5 bei Integrationen, 3,0 bei Verfügbarkeit, 4,0 bei Audit, 3,0 bei Kryptografie, 4,0 bei Regulatorik, 3,0 bei Betrieb und Exit, 3,5 beim Anbieter. Gewichtet: 0,20 x 4,0 + 0,20 x 3,5 + 0,15 x 3,0 + 0,10 x 4,0 + 0,05 x 3,0 + 0,10 x 4,0 + 0,10 x 3,0 + 0,10 x 3,5 = 0,80 + 0,70 + 0,45 + 0,40 + 0,15 + 0,40 + 0,30 + 0,35 = 3,55 von 5. Vergleichen Sie den Wert mit anderen, gleich bewerteten Anbietern und mit den Kosten über fünf Jahre.


20 Fragen an die Anbieter

  1. Welches Verschlüsselungsmodell liefern Sie tatsächlich je Plattform in unserem Umfang (Anbieterschlüssel, BYOK, HYOK/EKM, clientseitig)?
  2. Wo findet die kryptografische Operation beim Entschlüsseln statt: bei Ihnen oder beim Cloud-Anbieter mit einem Schlüssel, den Sie ihm gegeben haben?
  3. Wer in Ihrer Organisation und Hosting-Kette kann Schlüsseloperationen auslösen oder einsehen? Unter welchen Kontrollen?
  4. In welcher Rechtshoheit wird der Schlüsseldienst gehostet und betrieben? Welche Behörden könnten Sie oder Ihren Hoster verpflichten?
  5. Was passiert mit unseren Daten, wenn der Schlüsseldienst nicht erreichbar ist, je Plattform? Ist es fail-closed, und wie lange funktionieren Caches?
  6. Wie viel Latenz fügt eine Schlüsseloperation hinzu, und wie lauten die Timeouts der jeweiligen Plattformen?
  7. Zeigen Sie Ihre hochverfügbarste Referenzarchitektur und Ihren letzten Failover-Test.
  8. Welche RPO und RTO gelten für den Schlüsseldienst selbst?
  9. Wie entziehen wir der Plattform den Zugriff, und wie lange dauert es gemessen, bis die Daten unzugänglich sind?
  10. Wie werden Schlüssel rotiert, und erfordert die Rotation eine Neuverschlüsselung der Daten?
  11. Welche HSM oder Gleichwertiges sichern die Wurzelschlüssel, mit welchen Zertifizierungen?
  12. Wie wird der Administratorzugriff authentifiziert, und können wir Freigaben durch mehrere Personen verlangen?
  13. Was wird protokolliert, wohin lässt es sich exportieren, und wie prüfen wir, dass Logs nicht verändert wurden?
  14. Was geschieht, wenn ein Audit-Eintrag nicht geschrieben werden kann?
  15. Gegen welche unserer Vorschriften (DSGVO, DSG, DORA, NIS2, FINMA, HIPAA) wurden Sie von Kunden oder Prüfern beurteilt, und was liefern Sie für Audits?
  16. Wie sieht Ihre Post-Quanten-Roadmap mit Terminen für Schlüsselumhüllung und Signaturen aus?
  17. Welche Teile der Lösung sind Eigenentwicklung, welche Drittanbieter- oder Open-Source-Komponenten?
  18. Beschreiben Sie den Exit: Wie verlassen wir Sie in 90 Tagen mit allen lesbaren Daten?
  19. Welche bekannten Einschränkungen hat jede Plattformintegration (Funktionen, die mit kundengehaltenen Schlüsseln entfallen)?
  20. Welche Kunden aus unserer Branche betreiben das produktiv, und seit wann?

Warnsignale in Anbieterantworten

  • «Im Ruhezustand verschlüsselt» als einzige Antwort: Das ist anbieterverwaltete Verschlüsselung und sagt nichts über Schlüsselkontrolle.
  • Keine schriftliche Aussage dazu, wer auf Schlüssel zugreifen kann, oder eine Antwort, die auf «Vertrauen» beruht.
  • BYOK, das als HYOK verkauft wird. Hält der Anbieter am Ende eine nutzbare Kopie des Schlüssels, ist es kein HYOK.
  • Fail-open als Feature, ohne Erklärung, was das für die gekaufte Kontrolle bedeutet.
  • Keine Latenz- oder Kapazitätswerte für die für Sie wichtigste Plattform.
  • Hochverfügbarkeit als «Cloud-nativ» beschrieben, ohne Failover-Test.
  • Exit-Plan lautet «wenden Sie sich an den Support».
  • Compliance als Liste von Vorschriften ohne Zuordnung zu Fähigkeiten.
  • «Post-Quanten-ready» ohne benannte Algorithmen oder Termine.
  • Referenzen, die man nicht anrufen kann.

Proof-of-Concept-Plan

Führen Sie den PoC auf den zwei bis drei Plattformen mit dem höchsten Risiko durch. Legen Sie Bestehens-Kriterien vor Beginn fest.

TestBestehenskriterium
Schlüsseldienst bereitstellen und Plattform 1 anbindenVer- und Entschlüsselung gelingen in der vereinbarten Zeit; Schritte sind von Ihrem Team reproduzierbar
Plattform 2 anbinden (zum Beispiel Datenbank mit TDE)Wie oben, gemessener Performance-Overhead unter Ihrem Schwellenwert
Zugriff entziehenDaten innerhalb der dokumentierten Zeit unzugänglich; Wiederherstellung des Zugriffs stellt sie wieder her
Ausfall des SchlüsseldienstesVerhalten entspricht dem dokumentierten Fail-closed- oder Cache-Verhalten; Wiederanlauf ohne manuelle Neuverschlüsselung
FailoverGeplanter Knotenausfall ohne fehlgeschlagene Operationen über dem genannten Schwellenwert
SchlüsselrotationRotation ohne Dienstunterbruch abgeschlossen
ZugriffsrichtlinieEine nicht autorisierte Identität und Anwendung werden abgelehnt und protokolliert
AuditOperationen erscheinen in Ihrem SIEM innerhalb der vereinbarten Verzögerung; ein veränderter Eintrag wird erkannt (falls Manipulationssicherheit verlangt)
LastDauerhafter Spitzendurchsatz mit vereinbarter Latenz und ohne Fehler
ExitDaten im PoC unter einem anderen Schlüsselmanager neu verschlüsselt oder umhüllt, ohne Datenverlust

Vertrags- und Exit-Klauseln

  • Eigentum an Daten und Schlüsseln. Schlüssel, Schlüsselmetadaten und Audit-Logs gehören dem Kunden.
  • Rechtshoheit und Zugriff. Hosting-Standort, Einheiten mit möglichem Zugriff, Pflicht zur Information des Kunden über Rechtsersuchen, soweit gesetzlich zulässig.
  • Unterauftragnehmer. Liste, Benachrichtigung bei Änderungen, Widerspruchsrecht.
  • Verfügbarkeit. SLA mit Gutschriften, definiertes Fail-closed- oder Fail-open-Verhalten, Wartungsfenster.
  • Sicherheit. Fristen zur Schwachstellenmeldung, Meldefrist bei Sicherheitsvorfällen, Prüf- und Inspektionsrechte.
  • Regulatorik. Klauseln für die anwendbaren Rahmenwerke (zum Beispiel DORA-Vertragsbestimmungen für IKT-Drittdienstleistungen).
  • Exit. Unterstützung, Exportformate, Übergangsfrist, Preis der Exit-Leistungen, Löschbestätigungen.
  • Escrow oder Fortführung, wenn der Schlüsseldienst kritisch ist.
  • Ordentliche Kündigung oder Kündigung bei regulatorischer Änderung.

Einleitungstext zum Kopieren

[Unternehmen] schreibt eine Lösung zur Verschlüsselung von Unternehmensdaten aus, die ruhende Daten in [Liste der Plattformen: zum Beispiel Microsoft 365, Salesforce, ServiceNow, AWS, Azure, SQL Server, Oracle, Snowflake, Databricks und KI-Diensten] mit kryptografischen Schlüsseln schützt, die unter der Kontrolle von [Unternehmen] bleiben. Die Lösung muss es [Unternehmen] ermöglichen, zu bestimmen, wer Schlüssel nutzen und widerrufen kann, das Verhalten jeder Plattform bei Nichtverfügbarkeit des Schlüsseldienstes zu dokumentieren, Audit-Nachweise für [anwendbare Vorschriften: DSGVO, DSG, DORA, NIS2, FINMA, HIPAA] bereitzustellen und einen dokumentierten Exit-Pfad zu bieten. Anbieter füllen die Anforderungstabellen in Anhang B aus, nennen ihre Annahmen je Plattform und belegen jede Muss-Anforderung. Die Bewertung erfolgt nach dem gewichteten Modell in Anhang C; Anbieter der engeren Wahl nehmen an einem Proof of Concept mit Bestehens-Kriterien teil.


FAQ

Was gehört in eine Ausschreibung zur Verschlüsselung?

Umfang und Klassifizierung, Verschlüsselungsmodelle je Plattform, Schlüsselkontrolle und Rechtshoheit, Integrationen, Verhalten bei Ausfall, Kryptografie, Zugriffsrichtlinien, Audit, regulatorische Zuordnung, Betrieb und Exit sowie Support. Ergänzen Sie ein Bewertungsmodell und einen PoC. Die Checkliste oben liefert dies als kopierbare Tabellen.

Worin unterscheiden sich BYOK und HYOK in der Ausschreibung?

Bei BYOK erzeugen oder importieren Sie einen Schlüssel, den der Anbieter anschliessend hält und nutzt. Bei HYOK oder externem Schlüsselmanagement bleibt der Schlüssel in Ihrem Schlüsselmanager, und der Anbieter ruft ihn für jede Operation auf. Verlangen Sie, dass der Anbieter das Modell je Plattform nennt, und lesen Sie BYOK erklärt.

Sollten wir Fail-closed-Verhalten verlangen?

Für regulierte Daten ist Fail-closed meist gewünscht: Ist der Schlüsseldienst nicht erreichbar oder verweigert er, bleiben die Daten unzugänglich. Dafür wird Ihr Schlüsseldienst zur kritischen Infrastruktur. Verlangen Sie Hochverfügbarkeit, Ausfalltests und dokumentiertes Cache-Verhalten je Plattform, und entscheiden Sie fail-closed oder fail-open je Workload.

Brauchen wir clientseitige Verschlüsselung oder Double Key Encryption?

Nicht für jede Workload. Double Key Encryption, etwa DKE in Microsoft 365, ist für eine kleine Menge hochsensibler Inhalte gedacht, weil Funktionen wie die serverseitige Suche bei geschützten Inhalten eingeschränkt sind. Nutzen Sie externes Schlüsselmanagement für die Breite und Double Key oder clientseitige Verschlüsselung für die kritischsten Daten. Siehe die DKE-Einrichtungsanleitung.

Wie vergleichen wir HSM-basierte und softwarebasierte oder Mehrparteien-Schlüsseldienste?

Vergleichen Sie sie anhand derselben Anforderungen: Wer kann auf Schlüssel zugreifen, Zertifizierungen, Verfügbarkeit, Performance, Audit und Exit. Schliessen Sie keine Kategorie pauschal aus, sofern Ihre Vorschrift es nicht verlangt. Die KMS-Ausschreibungsvorlage behandelt Schlüsselmanagement-Produkte ausführlicher.

Wie behandeln wir Post-Quanten-Kryptografie in der Ausschreibung?

Als Anforderung an Roadmap und Krypto-Agilität: Welche Algorithmen aus FIPS 203, 204 und 205 werden wann unterstützt, und wie werden Algorithmen gewechselt. Siehe die Post-Quanten-Ausschreibungsvorlage.

Ist ein Anbieter ausserhalb der EU oder der Schweiz akzeptabel?

Das hängt von Ihrer Risikobeurteilung, den Daten und Ihrer Aufsicht ab. Entscheidend ist, wer unter welcher Rechtsordnung auf Schlüssel zugreifen kann. Fragen Sie nach der Rechtshoheit von Anbieter und Hosting-Einheit und lesen Sie Datensouveränität und Verschlüsselungsschlüssel.


Fazit

Eine gute Ausschreibung zur Verschlüsselung prüft Kontrolle, nicht Funktionsumfang. Fragen Sie, wer die Schlüssel zur Laufzeit hält, was bei Ausfall des Schlüsseldienstes passiert, wie Sie widerrufen, wie Sie es einem Prüfer belegen und wie Sie wieder wechseln. Bewerten Sie alle Anbieter mit denselben Gewichten und validieren Sie im PoC. DuoKey bietet Management kundenkontrollierter Schlüssel für die genannten Plattformen; Vergleichsseiten finden Sie zu Thales, Fortanix und Entrust. Berücksichtigen Sie DuoKey wie jeden anderen Anbieter nur aufgrund von Nachweisen.


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